BDA Sachsen-Anhalt Architekturpreis
Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Nr. 10 Halle - Kunststiftung Sachsen-Anhalt – AHM Architekten, Berlin


Die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt, die im Februar 2005 ihre Arbeit aufnahm, fördert zeitgenössische Kunst in Sachsen-Anhalt. Durch die Vergabe von Stipendien und Projektfördermitteln unterstützt die Stiftung Projekte der bildenden, angewandten und darstellenden Kunst, der künstlerischen Fotografie, der Literatur, der Musik, des Films, des Designs, der Architektur und der Medienkunst sowie interdisziplinäre Projekte.

Das ehemalige Wohnhaus aus dem Jahre 1924, welches sich in unmittelbarer Nähe der Kunsthochschule Burg Giebichenstein befindet, ist nicht allein zum Sitz und zur Geschäftsstelle der Kunststiftung umgebaut worden, sondern ist vor allem eine Plattform für die Künstler Sachsen-Anhalts und bietet Raum für Begegnungen von Künstlern und Publikum, Kunstvermittlern und Galeristen, Verlagen und Produzenten. Diese anspruchsvollen Nutzungsanforderungen mussten aufgrund der durch den Bestand vorgegebenen Bedingungen im Wesentlichen auf zwei Etagen realisiert werden. Zentraler Kern ist eine neu errichtete, geschossübergreifende Galerie mit Tageslichtdecke, die als Aktions- und Präsentationsraum dient. Die historische Treppe des Altbaus wurde dabei durch das Öffnen der ehemaligen Außenwand zu einem räumlichen Mittelpunkt der Ausstellungsflächen. Mit ihrem Zwischenpodest bildet sie die Empore zur Kunstgalerie. Großflächige Fenster ermöglichen ausgewählte Ausblicke in den dem Gebäude vorgelagerten Garten, welcher gegenüber dem Straßenraum mit einer mehrfach abgestuften Umfassungsmauer abgeschlossen wurde. Der Bezug zum Stadtraum und umgekehrt zu dem Gebäude selbst wird jedoch nicht verstellt. Bewusst eingefügte Öffnungen gewähren dezente Einblicke und machen damit neugierig auf einen Besuch des Hauses.

Um die neue Nutzung im Stadtraum widerzuspiegeln, erhielt der nördliche Bauteil des Altbaus eine vorgehängte hinterlüftete Fassade aus spezifischen profilierten Betonplatten, die in einer Manufaktur eigens für das Projekt angefertigt wurden. Durch die Struktur wird ein plastisches Licht- und Schattenspiel auf der Fassade erzeugt und gleichzeitig eine differenzierte Nah- und Fernwirkung erreicht. Die Gestaltidee basiert auf einer Konzeption der Künstlerin Judith Runge aus Halle.
 
Mehrfamilienhaus, Mühlweg 24a

Nr. 11 Halle - Mehrfamilienhaus, Mühlweg 24a - ambrus & Co, Halle, Berlin

Das neue Mehrfamilienhaus tritt gleichsam eigenständig und selbstbewusst als auch vermittelnd am Mühlweg in Erscheinung: es reckt sich zum östlichen Nachbarhaus in die Höhe, spricht eine ruhige entschiedene Sprache mit den in Bändern eingebetteten Fenstern und korrespondiert durch eben jene Tektonik mit den Nachbargebäuden.

Die Terrassierung wird geschickt bis in die Tiefe entlang der Brandwand eingesetzt, um zwischen den baulichen Massen der unterschiedlichen Nachbarschaften zu vermitteln und zusätzliche Belichtungsmöglichkeiten und außenräumliche Aufenthaltsqualitäten (Loggien und Dachterrassen) einzufangen, die sich nicht nur über Straßen- und Hofseite - und damit über die lautere Südseite des Mühlweges und die verschattete Nordseite des Hofes definieren - sondern plötzlich für Wohnen attraktives Westlicht dazu gewinnen.

Der Gebäudetypus lässt im ersten Moment und in seinem sachlichen Ausdruck nicht unbedingt ein Wohnhaus erwarten. Das innenräumliche Angebot, die Raumgliederungen durch die Loggien und ergänzenden Terrassenflächen lassen jedoch Wohnen bei maximaler Grundstückausreizung vielschichtig erscheinen.

Die Nutzung des Erdgeschosses zum Parken und Kellerersatz wird kontrovers diskutiert – während im Gesamtzusammenhang das zur Straße geschlossene Geschoss in Teilen nachvollzogen werden kann, wird die Adressbildung für die Bewohner vermisst und der Zugang zu Treppenhaus und Lift kritisch bewertet. Alles in allem stellt das Objekt einen wertvollen Beitrag im unkonventionellen und unaufgeregten Umgang mit Baulücken dar, wie Stadt weitergebaut werden kann und gleichzeitig besondere Qualitäten für komfortables städtisches Wohnen geschaffen werden können. Das Mehrfamilienhaus am Mühlweg 24 wird mit einer Anerkennung ausgezeichnet.
 


BDA Landesverband Sachsen-Anhalt | Mansfelder Straße 56, 06108 Halle